Geburt eines Kindes während des MBA-Studiums
Als "Exotin" bezeichnet sich Tanja Mertin (Class of 2010). Sie hat das MBA-Studium hochschwanger begonnen, währenddessen ihren Sohn zur Welt gebracht – und trotzdem ihre Master-Arbeit pünktlich abgegeben. Auch beruflich hat sie sich weiterentwickelt, nach Abschluss des MBA ist sie mit ihrer Familie nach Indien gezogen. "Ich wollte nie eine Extrawurst", betont sie. Doch die TUM habe alles dafür getan, das Studium mit Säugling zu erleichtern. "Die TU hat einen Raum zur Verfügung gestellt, in den Oma und Baby während der Präsenzphasen quasi eingezogen sind", lobt sie. So konnte sie in den Vorlesungspausen ihr Kind stillen, konnte Windeln und Spielzeug dort deponieren. "Den Professoren fiel es im Ablauf nicht auf, dass ich mein Baby quasi dabei hatt", sagt sie.
Mertins Tochter wurde während des MBA eingeschult. Damit die Fünfjährige Verständnis für die häufige Abwesenheit der Mutter entwickelt, begleitete sie einen ganzen Tag lang alle Vorlesungen. "Nun weiß sie, dass ich Hausaufgaben machen muss – und hat gleich ein Vorbild für ihre eigene Schulzeit", beschreibt die 40-Jährige.
"Die TUM ist ein sehr guter Platz für einen MBA mit Familie"“, lobt Mertin. Von zehn Frauen in ihrem Jahrgang war sie jedoch die einzige mit Kindern. "Vor allem Deutsche äußern häufig Bedenken, dass man sich auf Kosten der Kinder selbst verwirkliche", weiß Mertin. In anderen Kulturen, beispielsweise Frankreich, Spanien oder Singapur, sei dies völlig anders. Sie habe die Elternzeit als einmalige Chance angesehen. Als ausgebildete Gymnasiallehrerin fehlte ihr ein fundierter wirtschaftlicher Abschluss angesichts ihrer großen operativen Verantwortung als Global Capability Director bei der Unternehmensberatung Accenture.
Ihre Empfehlung: "Man muss das sportlich angehen!" Nur wer es wage, könne es auch erfolgreich abschließen. Ein Abenteuer bleibe ein MBA-Studium mit Kind trotz allem. "Es ist nicht alles planbar, beispielsweise ein Schreikind oder Krankheiten." Aber nur wegen Eventualitäten auf die Chance zu verzichten, rate sie niemandem. Hätte sie es nicht geschafft, alles unter einen Hut zu bekommen, dann wäre die schlimmste Variante eine Verlängerung der Studienzeit auf drei Jahre gewesen. "Das ist immer besser, als es erst gar nicht zu versuchen", ist sie überzeugt.